Ayurveda

AyurvedaDer Ayurveda ist ein traditionelles Heilsystem, das seine Wurzeln in Indien hat. Faszinierend in dieser Methode ist, dass sie zu den naturheilkundlichen Verfahren gehört, die das rational-analytische und das ganzheitliche Denken sinnvoll miteinander verbindet. Das hat zur Folge, dass die Heilmethode sich in der heutigen Zeit über den ganzen Globus ausgebreitet hat.

Was macht Menschen gesund?

Die Heilansätze des Ayurveda folgen den Grundprinzipien der Salutogenese. Nach dem Motto: Was macht Menschen gesund? Im Ayurveda werden alle für das Leben förderliche wie schädigende, positive wie negative Faktoren berücksichtigt. Die Ursachenvermeidung und der Ausschluss von Risikofaktoren ist immer der erste Baustein einer Therapie. Anschließend spielt die Gesundheitsförderung, d.h. die Überprüfung von Lebensstil und Ernährung eine wichtige Rolle.
Die ayurvedische Methodik baut auf die genauste Beobachtung der Natur und auf deren Gesetzmäßigkeiten auf. Unter Beachtung von Entsprechungen und Analogien werden Krankheitsprozesse analysiert. Das gründliche Verständnis der Krankheit ist die Grundlage für den Therapieplan zur Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichts.

 

Ayurvedisches Glossar

Vielleicht haben Sie sich schon mit den Theorien dieser Lehre beschäftigt und sind damit vertraut. Nachfolgend habe ich in einem Glossar versucht, die bekannten Kernbegriffe des Ayurveda zu erläutern.

 

Die Vaisesika-Philosophie

Das Gedanken-Modell hinter dem Ayurveda hat seine Wurzeln in einem der bekannten Philosophie-Systemen des alten Indiens: die Vaisesika-Philosophie.
Diese Lehre beschreibt die zwei zugrundeliegenden Prinzipien der Schöpfung als Verschiedenheit (Visesa) und Gleichheit (Samanya). Sie führen zu zwei entgegengesetzten dynamischen Kräften- der Verbindung und der Trennung. In diesem polaren Spannungsfeld vollziehen sich alle Erscheinungsphänomene der Welt.

 

Gunas – 20 Eigenschaften prägen Menschen und Pflanzen

Die Vaisesika-Philosophie ist die Basis für die polare Betrachtung der Natur und die Klassifizierung von Eigenschaften (Guna) als Gegensatzpaare. Insbesondere die 10 folgenden Gegensatzpaare spielen eine große Rolle in der Ermittlung von Ursache und Wirkung von Phänomenen:
Schwer (guru) / leicht (laghu)
Langsam (manda) / penetrierend-spitz (tikshna)
Kalt (shita) / heiß (ushna)
Feucht-ölig (snigdha) / trocken (ruksha)
Glatt (shlakshna) / rau (khara)
Dicht (sandra) / flüssig (drava)
Weich (mrdu) / hart (kathina)
Stabil (sthira) / beweglich (cala)
Subtil (sukshma) / grob (sthula)
Klar (vishada) / schleimig (picchila)

 

Elemente (Mahabhutas) – Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther –

Aufgrund der spezifischen Qualitäten (Gunas), die die Schöpfung aufweisen kann, werden insbesondere fünf Urelemente (Panca Mahabhutas) definiert, die eine einfache Zuordnung der lebendigen und nicht lebendigen Naturphänomene erlauben. Die Elemente im Ayurveda sind: Erde (prthivi), Wasser (apah), Feuer (agni), Luft (vayu) und Äther (akasa).

 

Die Dosas – Vata, Pitta, Kapha –

Im lebendigen Organismus kann die unterschiedliche Gewichtung der Urelemente Störfaktoren (Dosas) hervorrufen, die wiederum anhand ihrer Manifestationen und Symptomen eine Diagnostik ermöglichen.
Die Dosas (Vata, Pitta, Kapha) sind ebenfalls die Grundlage für die ayurvedische Konstitutionslehre und für die ayurvedische Physiologie.
Theoretisch ergeben sich aus diesen Ausführungen viele Zusammenhänge zum Beispiel zwischen dem kranken Menschen und dem Mangel oder Überschuss an bestimmten Qualitäten, die die Dosas aus dem Gleichgewicht bringen. Genauso ergeben sich auch Rückschlüsse über Substanzen, sei es Lebensmittel oder Naturheilmittel, die über die Regulierung der primären Eigenschaften (Gunas) das Gleichgewicht der Dosas wiederherstellen können.

 

Geschmack (Rasa)Ayurveda

In der Praxis haben die ayurvedischen Ärzte ein verfeinertes Diagnosesystem entwickelt, das sehr stark auf der Schulung der Sinneswahrnehmung basiert.
In der Pharmakologie haben Ayurvediker für die Ermittlung der passenden Substanzen zur Behandlung von Erkrankungen besonders den Geschmackssinn geschult. Er dient zur Ermittlung der Geschmacksrichtungen (Rasas), welche Eigenschaften und Wirkungen einer Substanz offenbaren. Es sind 6 Geschmacksrichtungen: süß, salzig, sauer, bitter, zusammenziehend und scharf

 

Warum Ayurveda?

Die Hauptmerkmale des Ayurveda beruhen einerseits auf einem eigenen philosophischen Erklärungsmodell der Welt und andererseits auf einer akribischen Erfahrungsheilkunde. Dabei hält sich die Balance zwischen intuitiver Beobachtung der Natur und logisch nachvollziehbarer Analyse von Phänomenen.
Diese weise Betrachtung der Natur als komplexes Gefüge ist aus meiner Sicht das wertvollste Merkmal dieser Lehre. Es enthält eine Tiefe, die sich ganzheitlich-orientierten TherapeutInnen und PatientInnen leicht offenbart. Die natürliche Herangehensweise des Ayurveda ist eine starke Ressource, um die Gesundheit (u.a. die Selbstheilungskräfte) im Alltag zu fördern.